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Medikationssicherheit – Herausforderung für das Praxisteam

«Entschuldigung, wie lange dauert das noch?»

 Die korrekte Abgabe von Medikamenten ist eine wichtige Aufgabe medizinischer Fachpersonen. Wo liegen die neuralgischen Punkte und wie lässt sich die Sicherheit erhöhen?

Jeder zehnte Spitalpatient in der Schweiz wird durch Medikationsfehler oder unerwünschte Wirkungen geschädigt. Die Stiftung Patientensicherheit Schweiz will dies ändern und die Risiken bei der Versorgung von Patienten im stationären und ambulanten Bereich reduzieren. Lea Brühwiler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stiftung und gibt die neusten Erkenntnisse regelmässig in die Praxis weiter. Sie sagt: «Es sind sehr viele Menschen potenziell von einem Medikationsfehler betroffen. Die daraus entstehenden Schäden können sehr gravierend sein.» Auch in Arztpraxen sind Medikationsfehler ein Thema. Die Stiftung hat bei Schweizer MPAs und Hausärzten eine Umfrage dazu durchgeführt. Die Frage, ob ein bestimmter Fehler wöchentlich oder sogar täglich vorkäme, bejahten 16% der MPAs und sogar ein Drittel aller Hausärzte. «Medikationsfehler waren dabei ein Hotspot», sagt Brühwiler. Internationale Studien weisen in dieselbe Richtung. In einer grossen Bevölkerungsbefragung aus Deutschland hat man herausgefunden, dass 14% der Befragten im ambulanten Bereich im letzten Jahr eine Patientensicherheitsgefährdung erlebt hatten. «In 15% hatte diese einen Zusammenhang mit der Medikation. Viel häufiger waren aber Probleme der Anamnese oder Diagnosestellung», erklärt Brühwiler. Eine Studie aus englischen Hausarztpraxen wiederum habe herausgefunden, dass von vermeidbaren Schäden, die passierten, etwa ein Viertel einen Zusammenhang mit der Medikation hätten.

Wo liegen die Gründe für die Häufigkeit von Medikationsfehlern?
Doch warum kommt es überhaupt zu so vielen Fehlern? Klar ist, die Abgabe von Medikamenten ist ein komplexer Prozess. Nicht zuletzt deshalb orientieren sich viele MPAs in der Schweiz an Leitfäden wie zum Beispiel der «10-R-Regel» zur qualitätsgesicherten Medikamentenangabe, die der SVA empfiehlt. Realistisch umsetzbar sind Checklisten dieser Art jedoch nicht immer. «Ein paar R-Regeln herauspicken und diese bei jeder Abgabe einbeziehen, ist sehr wichtig», sagt Bernadette Niedermann. Vor allem die ersten drei gelte es zu beachten: richtige Person, richtiges Medikament, richtige Dosis. Die MPK aus Niederuzwil hat in verschiedenen Arztpraxen gearbeitet und kennt die Herausforderungen. Es sei nur sehr schwer möglich, die 10-R-Regel bei jeder Abgabe komplett durchzuexerzieren.

Auch die knappe Zeit stellt nicht selten eine Herausforderung dar. Die hohe Auslastung von MPAs sei sicher mit ein Grund für die erhöhte Gefahr von Medikationsfehlern, so Niedermann. «Wir haben einfach so viel zu tun, dass wir manchmal nur schwer nachkommen», sagt sie. «Man ist als MPA sehr viel am Telefon und wenn ein Patient mit seinen Medikamentenzetteln in die Praxis kommt, dann bearbeite ich diese manchmal auch während eines Telefonats.» Es liegt auf der Hand, dass dabei die korrekte Medikamentenausgabe nicht immer zu 100 Prozent garantiert werden kann.

Das können MPAs dagegen tun
Eine gute Möglichkeit für Praxisteams etwas für die Medikationssicherheit zu tun, sieht Lea Brühwiler in gemeinsamen interaktiven Lerntrainings. Beim sogenannten «Room of Horrors» werden in der eigenen Praxis Fehler und Sicherheitsrisiken versteckt. Das MPA- und Ärzteteam versucht diese gemeinsam zu entdecken. «Dies fördert ihr Situationsbewusstsein für solche Gefahren spielerisch» patientensicherheit.ch/room-of-horrors, erklärt Brühwiler. Insgesamt am wirksamsten sei es letztlich jedoch, Anpassungen in den Prozessen und Strukturen zu unternehmen, Alerts im Computersystem einzubauen beispielsweise, keine ähnlich aussehenden Medikamente zu verwenden oder ungestörte Zeitfenster einzuplanen.

Auch die Digitalisierung könne einen Beitrag leisten, ergänzt MPK Niedermann. «Ein Medikamentenautomat, bei dem auf Knopfdruck das richtige Medikament unten rauskommt, das wäre auf jeden Fall eine gute Lösung.» Die Anschaffung eines solchen Geräts habe man in der Praxis auch schon diskutiert. «Das wäre natürlich eine Top-Lösung.»

Das Bild vom Hilfsmittel mit der 10R Regel wurde vom SVA zur verfügung gestellt und kann direkt beim SVA bestellt werden.

Wie gehen Sie in Ihrer Praxis mit dem Thema um? Welche Vorkehrungen treffen Sie in puncto Patienten- und Medikationssicherheit? Wir freuen uns auf Ihre Meinungen und Kommentare.

Tags: Qualitätssicherung, Blog, Beruf MPA, Medikationssicherheit

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