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Hat der weisse Kittel ausgedient?

20211001 Banner NL Weisser Kittel

Die Berufskleidung des Praxispersonals ist vornehmlich weiss. Immer mehr setzen Ärzte und MPAs bei ihrem Outfit jedoch farbliche Akzente. Woher rührt diese Entwicklung?

Halbgötter in Weiss werden Ärzte gerne genannt. Auch heute vermag manch ein Arzt noch immer diese besondere Aura auszustrahlen, die Patienten zuweilen vor Respekt erstarren lassen. Dazu trägt nicht zuletzt der weisse Kittel bei.

Weit verbreitet war bis vor einigen Jahren, dass das gesamte Praxispersonal blütenweiss auftrat. Heute gibt es in den meisten Betrieben keine Farb-Vorschriften mehr. Ein Arzt im pink Polo-Shirt? Kein Problem. Eine MPA im violetten Kasack? Warum nicht? Bei Ärzten wie MPAs fällt die Wahl vermehrt auf bunte Alternativen. Dafür verantwortlich ist auch der Trend hin zum Selbstmarketing von Arztpraxen, die mit dem Tragen farbiger Logo-Shirts für ein einheitliches «Branding» sorgen möchten.

Doch darum konnte sich die weisse Mode so lange halten?

Ein Blick zurück in die Zeit des späten 19. Jahrhunderts bringt Licht ins Dunkle. Es war die Zeit, als man erkannte, dass Hygiene bei der Behandlung von Kranken eine wichtige Rolle spielt. Dem deutschen Mediziner und Mikrobiologen Robert Koch gelang es nachzuweisen, dass sich Bakterien nicht nur über die Luft, sondern auch über Hände und Kleidung übertragen werden können. Ein Meilenstein in der Entwicklung der Medizin. Man stellte fest, dass das medizinische Personal die Übertragung von Krankheiten deutlich reduzieren konnte, wenn es die Kleider regelmässig wusch. Eine Erkenntnis, die dem reinen Weiss zum Siegeszug verhalf.

Nur weisser Stoff hielt der Kochwäsche stand

Da Temperaturen um die 95 Grad Celsius Bakterien nachhaltig den Garaus machen konnten und nur weisse Kleidung der Kochwäsche standhielt, empfahl sich für Ärzte wie andere Angestellte im Gesundheitsbereich fortan die Farbe Weiss. Zudem liessen sich Verunreinigungen auf weissen Kleidern schneller erkennen.

Die dunklen Gehröcke, die bei Ärzten verbreitet waren, hatten ausgedient. Sie färbten bei hohen Waschtemperaturen aus. Ein Problem, das heute keines mehr ist. Auch dunkle und bunte Stoffe lassen sich mittlerweile ohne Weiteres bei hohen Temperaturen waschen.

Während bunte Kleider vor allem bei MPAs an Beliebtheit gewinnen, ist bei Ärzten Weiss weiterhin vorherrschend und bleibt ein wichtiges Identifikationsmerkmal.

Im Operationssaal gelten andere Regeln

Kaum anzutreffen ist die Farbe Weiss indes in Operationssälen. Das hat seine guten Gründe. Weisse Kleidung würde das grelle Licht der OP-Lampen unnötig stark reflektieren und die Augen des Personals blenden. Dass hier bevorzugt auf grün und blau gesetzt wird, hat aber auch damit zu tun, dass diese Farben eine beruhigende Wirkung auf Patienten haben können, was bei Nervosität und Angst vor Operationen Vorteile bietet. Hinzu kommt, dass Blutflecken auf blauem oder grünem Stoff kaum wahrgenommen werden, während rote Spritzer auf weissem Stoff nicht eben für Entspannung der Darniederliegenden führen dürften.


Welche Kleiderordnung haben Sie in Ihrer Praxis? Oder sind Sie völlig frei, welche Farben Sie tragen dürfen? Wir freuen uns auf Ihre Meinungen und Kommentare zu diesem Artikel.

Tags: Praxis Tipps, Beruf MPA, Digitalisierung

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