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Videosprechstunde – ein Zukunftsmodell?

«Entschuldigung, wie lange dauert das noch?»

Die Videokonferenz hat in vielen Schweizer Hausarztpraxen Einzug gehalten. Was taugt die Methode, wo liegen ihre Grenzen und was bräuchte es, um ihr zum Durchbruch zu verhelfen?

Nicht dringliche Besuche in der Arztpraxis galt es zu Beginn der Coronakrise zu vermeiden. Etliche Mediziner wagten aus der Not heraus den Schritt in die Telemedizin. Erste Versuche, Patienten per Video zu behandeln, zeigten: Das klappt ganz wunderbar.

Einer, der es ausprobiert hat, ist Peter Wespi. Der Facharzt für Allgemeine Innere Medizin zögerte nicht lange und bot den Patienten seiner Gemeinschaftspraxis in Dielsdorf ab März 2020 Konsultationen per Video an. «Wir konnten die Patienten ja nicht einfach hängen lassen», sagt Wespi, «es musste eine Alternative her.»

Konkrete Einschränkungen der digitalen Behandlungsmethoden gibt es keine. Es liegt im Ermessen des Arztes, individuell zu entscheiden, ob eine Sprechstunde per Video zielführend ist. Die FMH veröffentlichte zu Beginn der Pandemie eine Empfehlung dazu: Sobald der behandelnde Arzt nicht mehr davon ausgehen könne, seinen Patienten mittels Telemedizin sorgfältig behandeln zu können, habe er die Behandlung entsprechend anzupassen und die Patientin entweder selbst physisch zu untersuchen oder entsprechend zu überweisen.

Beratungsthemen besonders geeignet

Sehr gut funktioniert die Videosprechstunde bei Behandlungen, für die es keinen physischen Kontakt braucht. Vor allem Beratungsthemen seien gut per Handy oder Laptop durchführbar, sagt Peter Wespi. Aber auch einfache Krankschreibungen, Situationen, in denen der Patient bereits wisse, dass er krank sei. Zum Beispiel einen viralen Effekt habe – und vom Hausarzt dafür ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis brauche oder fragen wolle, wie er den Infekt am besten behandle. «In einem solchen Fall kann ich mir über ein Gespräch ein gutes Bild von der Situation machen. In der gleichen Art und Weise, wie ich es auch tun könnte, wenn der Patient physisch präsent wäre. Auch bei einer Konsultation in der Praxis muss ich den Patienten in einem solchen Fall nicht körperlich untersuchen.» Ebenfalls gut einsetzbar ist die medizinische Beratung via Bildschirm, wenn eine körperliche Untersuchung bereits stattgefunden hat und es um die Nachbehandlung bzw. eine Nachverlaufsbesprechung geht. «Folgekonsultationen funktionieren in vielen Fällen sogar nach Operationen», meint Wespi. Der Patient berichte, ob er noch viel oder wenig Schmerzen habe und richte die Handykamera auf die Narbe. Auf diese Weise lasse sich gut beurteilen, ob interveniert werden müsse.

Ungeeignet ist die Videokonsultation derweil bei Behandlungen, die eine apparative Untersuchung erfordern. «Ich kann die Schilddrüsenfunktion nicht per Video überprüfen. Da muss der Patient vorbeikommen, damit wir ihm Blut nehmen können.» Auch körperliche Untersuchungen wie die Pulsmessung, das Abhören der Lunge oder ein Abtasten machen den Besuch in der Praxis in vielen Fällen unabdingbar. In seiner Praxis in Dielsdorf habe ein Patient mit Verdacht auf eine Leistenhernie eine Videokonsultation vereinbaren wollen, erzählt Wespi. «Diesen Patienten mussten wir zu uns in die Praxis bitten. Für eine solche Abklärung braucht man die Sensorik, um zu erkennen, ob es einen Hustenanprall gibt.»

Videoberatung: auch für MPAs eine Option

Die medizinische Beratung per Video ist grundsätzlich nicht auf die ärztliche Behandlung beschränkt. Auch MPAs und MPKs könnten die Methode gut anwenden. Juristisch würde dem nichts im Wege stehen. Peter Wespis Praxisassistentinnen setzen die Methode zwar noch nicht ein, doch «wenn ein Patient diesen Wunsch äusserte, würden wir das sofort tun», meint er.

Mit der Beruhigung der Coronalage hat die Nachfrage nach Videokonsultationen in Wespis Gemeinschaftspraxis stark nachgelassen. Aktuell führt er nur noch etwa einmal pro Monat eine digitale Sprechstunde durch. Ob sich die Methode langfristig dennoch durchsetzt, darauf dürfte auch die Politik einen Einfluss haben. Klar ist: Aktuell werden innovative Ärzte benachteiligt. Wer in einer Praxis im Kanton Zürich eine viertelstündige Sprechstunde durchführt, kann dafür rund 51 Franken abrechnen. Ein Arzt, der dieselbe Behandlung online durchführt, muss den Zuschlag für die hausärztliche Leistung in der Arztpraxis weglassen und darf rund zehn Franken weniger dafür berechnen. Eine Regelung, die nicht ganz logisch erscheint. Zumal Ärzte, die eine Online-Behandlung anbieten, die entsprechende Infrastruktur bereitstellen müssen. «Es ist etwas merkwürdig, dass ein Mehrwert für Patienten zu einer verminderten Abgeltung führen sollen», meint Wespi dazu. Der Zürcher gibt sich dennoch zuversichtlich, dass die Methode Bestand hat. «Patienten wie auch Ärzte müssen sich einfach noch daran gewöhnen, dass Videokonferenzen auch bei medizinischen Konsultationen genutzt werden können.»

Wie gehen Sie in Ihrer Praxis mit dem Thema Telemedizin um? Führen bei Ihnen Ärzte und/oder MPAs Behandlungen per Video durch? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Tags: MPA,, Praxis Tipps, Corona, Beruf MPA, Praxistipps

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