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MPA-MANGEL: WORAN LIEGT’S?

Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen macht auch vor Arztpraxen nicht halt. Vielerorts fehlt es an kompetenten MPAs. Wo liegt der Kern des Problems, welche Auswirkungen hat es auf den Arbeitsalltag und wie liesse sich die Situation entschärfen?

Die Coronakrise hat es in aller Deutlichkeit zum Vorschein gebracht: Das Gesundheitswesen hat ein Personalproblem. Doch während in der Öffentlichkeit meist vom Mangel an Pflegenden in den Spitälern die Rede ist, stellt sich das Problem auch in Schweizer Arztpraxen.

«Die Situation ist prekär», sagt Nicole Nussbaumer, Medizinische Praxisassistentin aus Dübendorf. Die Allgemeinarztpraxis, in der sie arbeitet, musste aufgrund des Personalmangels gar die Öffnungszeiten verkürzen. Allein im Kanton Zürich sind aktuell über 250 MPA-Stellen offen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

An der Anziehungskraft des MPA-Berufs scheint es nicht zu liegen. In der Hitliste von «Yousty.ch», dem grössten Online-Lehrstellenportal der Schweiz, belegt der Beruf den vierten Platz. Nachwuchs ist also genug vorhanden. Worin liegt also die Ursache, dass wir in der Schweiz zu wenige MPAs haben? «Das Problem ist, dass junge Menschen den Beruf als Sprungbrett benutzen», sagt Nussbaumer. Tatsächlich gibt es zu wenige MPAs, die dem Beruf treu bleiben. Sie springen nach einer gewissen Zeit ab, um sich neu zu orientieren oder sich anderweitig medizinisch zu spezialisieren.

Dies hat Auswirkungen auf den Praxisbetrieb. «Administrative Aufgaben kommen oftmals zu kurz, da sie eine nachgeordnete Priorität haben», sagt Emma Schwager, leitende MPA aus Winterthur. Aber auch für das Zwischenmenschliche mit den Patienten bleibe weniger Zeit. Für Aufklärung und die Beantwortung von Fragen. «Das Gespräch mit dem Patienten ist absolut zentral, auch wenn es sich nur um ein verstorbenes Kätzchen dreht.» Kommunikation sei ein wichtiger Teil des Behandlungsprozesses.

Die kritische Lage hat zur Folge, dass in Arztpraxen Personal zum Einsatz kommt, das nicht über die Kompetenzen ausgebildeter MPAs verfügt. «Es werden immer wieder Pflegefachpersonen eingestellt, die vom Spital in die Praxis wechseln wollen», sagt Nussbaumer, die neben ihrer beruflichen Tätigkeit auch noch beim SVA Zürich-Glarus als Weiterbildungsbeauftragte fungiert. Diese seien zwar pflegerisch top, verfügten jedoch nicht über die Fähigkeiten einer MPA, da sie weder in der entsprechenden administrativen Arbeit ausgebildet seien, noch Labor und Röntgen beherrschten. Es liegt auf der Hand, dass diese Unkenntnis einen Risikofaktor darstellt.

Diesen Aspekt hebt auch Emma Schwager hervor: Wenn auf weniger gut ausgebildete Fachkräfte zurückgegriffen werden müsse, habe dies Auswirkungen auf die Patientensicherheit. «Der Personalengpass ist dermassen prekär, dass Ärzte für den Empfang Hotelfachfrauen oder Kosmetikerinnen einstellen, die noch keine Erfahrungen in einem medizinischen Beruf gesammelt haben.» Die Aufgabe am Empfang umfasst bekanntermassen auch die Telefontriage, wobei die Gefahr besteht, dass falsche Dringlichkeitsbeurteilungen vorgenommen werden.

Dem Mangel an Personal könnte man entgegenwirken, indem man MPAs Wege aufzeigt, wie sie in ihrem Beruf weiterkommen können. Dabei spielt nicht unbedingt ein guter Lohn die zentrale Rolle, sondern vielmehr die Perspektive, sich persönlich und fachlich weiterzuentwickeln. Emma Schwager ist Dozentin an den Juventus Schulen. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat sie beobachtet, dass viele junge Menschen den MPA-Beruf als Sackgasse empfinden. Eine Sackgasse wie früher sei der Beruf aber heute zum Glück nicht mehr, sagt sie, und verweist auf Weiterbildungen wie diejenige zur MPK. Eine ideale Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und den Beruf interessant zu halten. «Leider kennen viele diese Ausbildung nicht.»

Auch wäre es an der Zeit, das veraltete Bild der «Arztgehilfin» zu überwinden und die Rolle der MPA in all ihrer Komplexität und Bedeutung neu zu definieren. Nur durch die Etablierung des MPA-Berufs als lohnenswerte Karriereoption, die bedeutende Verantwortung mit sich bringt, kann dem Fachkräftemangel effektiv entgegengetreten werden. Es bedarf der Initiative, eine zukunftsfähige Position im Gesundheitswesen zu schaffen, die es wert ist, angestrebt zu werden. Im Zuge des Generationenwechsels sieht Nicole Nussbaumer Licht am Ende des Tunnels. «Für die älteren Ärzte sind MPAs gerne noch ‹die Assistentin›, aber die jüngeren Ärzte geben vermehrt Kompetenzen an uns ab.»

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Tags: Blog, Fachkräftemangel

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