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Ein Tag im Leben von Prianca Qehaja

Hektischer Praxisalltag: So bleiben Sie cool

Die Pandemie hat den beruflichen Alltag von Prianca Qehaja (26) gehörig durcheinandergewirbelt. Die Medizinische Praxis-Leiterin erzählt, welche neuen Herausforderungen sie in der Hausarztpraxis in Unterterzen täglich zu meistern hat.

Dieses Virus, auch wenn es uns alle erschüttert, aus der Ruhe bringt es mich nicht. Für mich als Medizinische Praxis-Leiterin ist es eine spannende Herausforderung. Es bringt Abwechslung und stiftet Sinn. Ich bin quasi am Brennpunkt dieses Jahrhundertereignisses. Das Thema wird auf der ganzen Welt diskutiert. Ich bin mittendrin.

Dennoch: Neue Aufgaben, mehr Patienten, zusätzliche Überstunden – Corona hat den Tagesablauf in unserer Praxis stark verändert.

Am Morgen nach dem Aufstehen und Duschen halte ich zuerst einmal inne. Setze mich und trinke etwas. Mache eine Präventivpause. Denn ich weiss nie, ob ich während der Arbeitszeit dazu kommen werde, zu verschnaufen. Es gibt Tage, da fehlt die Zeit, mich auch nur für zwei Minuten zurückzuziehen.

Ich betrete die Praxis um zehn vor sieben. Das ist ziemlich früh. Es ist nicht so, dass ich das lerchenhaft meisterte. Doch es gehört einfach dazu. Ich mache Licht, ziehe die Storen ein, öffne die Fenster und kleide mich um. Ich fahre die Labor- und Röntgengeräte hoch und lasse die Qualitätskontrollen laufen, um sicherzustellen, dass die Instrumente einwandfrei funktionieren. Nach und nach kommen auch die Kolleginnen und Ärzte rein, bevor es um halb acht dann mit der ersten Sprechstunde losgeht.

Bis zum Ausschalten des Anrufbeantworters läuft jeder Morgen ähnlich ab. Danach ist kein Tag wie der andere. Oft ist improvisieren angesagt. Das Telefon klingelt beinahe ununterbrochen. Manchmal kommen wir nicht einmal dazu, einander richtig «Guten Morgen» zu sagen.

Auch wenn wir aufgrund der Coronasituation weniger Patienten gleichzeitig im Haus haben dürfen, so bleibt die Frequenz hoch. Es zieht sich jetzt einfach mehr in die Länge. Nach jeder Sprechstunde muss ich alles desinfizieren, die Folgepatienten sollen schliesslich in sauberen und sicheren Räumlichkeiten empfangen werden. Die Pandemie zwingt uns zu Überzeit. Zum Glück können wir wenigstens alle Stunden aufschreiben.

Mehrarbeit fällt auch an, da wir bei uns in der Praxis PCR-Tests durchführen, um die Spitäler zu entlasten. Wer zum Coronatest kommt, muss draussen auf dem Parkplatz warten und uns anrufen. Sobald wir sichergestellt haben, dass der Weg frei ist, darf die Person die Praxis betreten, wonach sie sich auf direktem Weg ins Testzimmer zu begeben hat. Sie darf nicht einmal die Jacke ausziehen.

Nach Mittag kehrt meist etwas Ruhe ein. Diese Zeit mag ich lieber. Die Ärzte gehen auf Hausbesuche oder zur Visite ins Altersheim. Heisst für mich: Liegengebliebenes aufarbeiten, aufräumen, Berichte und Briefe schreiben.

Um vier Uhr kommt der Kurier und holt die Covid-19-Proben ab, deren Auswertungen am Folge- oder übernächsten Tag vorliegen. Es gab eine Phase, als die Labors mit dem Informieren der Patienten über die Testresultate nicht mehr nachkamen. Das war eine schwierige Zeit, da die Patienten verständlicherweise bei uns sturmläuteten, um nach den Ergebnissen zu fragen. Da haben wir das Heft in die Hand genommen, wir informieren die Patienten seither selbst. Wenn die Resultate negativ sind, rufe ich an. Sind sie positiv, übernimmt es der Arzt.

Aufgrund der aktuellen Situation fehlt uns mitunter die Zeit für unsere Nicht-Corona-Patienten. Wir nehmen daher auch mal eine Person nach Ende der Sprechstundezeiten noch rein. Da kann ich fast nicht nein sagen. Bei uns auf dem Land kennt man sich schliesslich. Das ist ja immer die Frau von dem und dem oder der Sohn von der und der.

Bevor ich die Praxis verlasse, bereite ich noch alles für den nächsten Tag vor. Desinfiziere das Zimmer des Arztes und die Gerätschaften. Das übernimmt bei uns leider nicht die Reinigungskraft.

Wenn ich aus der Türe raus bin, schalte ich ab. Mir ist es wichtig, einen Schlussstrich zu ziehen. Wer hundert Prozent arbeitet, sollte sich nach Feierabend erholen.


Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag seit Ausbruch der Coronapandemie verändert? Und was machen Sie, um sich nach Feierabend von den Anstrengungen des Praxisalltags zu erholen? Verraten Sie es uns jetzt in einem Kommentar.

Tags: Corona, Beruf MPA

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