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Die digitale Praxis: Realität oder Zukunftsvision?

Die digitale Praxis: Realität oder Zukunftsvision?

Durch die Digitalisierung des Gesundheitswesens eröffnen sich Spitälern und einfachen Praxen vielversprechende Möglichkeiten. Viele Hausärzte zögern noch. Warum eigentlich?

Für innovative Arztpraxen gehört der digitale Arbeitsablauf bereits zum Standard. Elektronisches Patientendossier, E-Rezept und Online-Terminkalender sind nur drei Beispiele einer breiten Palette an Möglichkeiten, welche die Digitalisierung ihnen bietet. Das Potenzial, dank Digitalisierung Prozesse zu optimieren, sie effizienter, kostengünstiger und sicherer zu gestalten, ist gross.

Die elektronischen Krankengeschichten sind für Praxis-Teams eine der gewichtigsten Verbesserungen. «Dadurch ist es möglich, während eines Telefonats direkt am Computer das Dossier des anrufenden Patienten einzusehen und die Situation dadurch besser zu beurteilen», sagt Martina Mosimann, Präsidentin der SVA-Sektion St. Gallen und selbst als MPA in einer dermatologischen Praxis tätig. «Ich habe Zugriff auf alle möglichen Daten. Und das sofort. Das ist ein riesiger Vorteil», schwärmt sie. Mosimann muss es wissen. Kennt sie den Beruf doch auch noch aus analogen Zeiten. Als Berichte auf der Schreibmaschine verfasst wurden und Laborbefunde von der Lehrtochter per Velo im Zentrallabor abgeholt werden mussten. Doch Wehmut kommt bei Mosimann nicht auf, wenn sie an diese Zeit zurückdenkt. «Vorteile ergaben sich dadurch keine.»

Das Visieren am Computer ist heute sicher umsetzbar

Viele Praxen in der Schweiz nutzen die digitalen Möglichkeiten jedoch noch zu wenig. Eine Studie* der FMH hat ergeben, dass Patienten der Digitalisierung gegenüber viel aufgeschlossener sind als Ärzte.

Die Vorteile digitaler Innovationen möglichst vielen Medizinern zu erklären, das ist eines der Ziele von Philipp Baltensperger, Leiter Sales bei der BlueCare AG in Winterthur. Das Unternehmen hat sich die Digitalisierung und Vernetzung des Gesundheitswesens auf die Fahne geschrieben. «Überweisungen und Berichte sollen in Zukunft papierlos verschickt werden», sagt er. Aber auch praxisinterne Prozesse zwischen Arzt und MPA könnten vielfach digital erfolgen. Das HMG-konforme Visieren am Computer durch den Arzt stellt heute kein Problem mehr dar.

Das überzeugendste Argument ist der Zeitgewinn

Die Zurückhaltung gegenüber der Einführung technologischer Neuerungen kennt Baltensperger aus seiner täglichen Arbeit. «Oft begegnen wir Praxis-Teams, die an ihren bestehenden Prozessen hängen», sagt er. Baltensperger zeigt Verständnis für diese Einstellung: «Für viele konventionelle Praxen haben die analogen Prozesse eben auch ihren Reiz und sind gar nicht mal so ineffizient.» Am Ende sei es aber neben der erhöhten Sicherheit und Genauigkeit vor allem der Zeitgewinn, der als überzeugendstes Argument für die Umstellung auf digitale Prozesse ins Feld geführt werden könne. Auch wenn es in einer Praxis im Gegensatz zu anderen Unternehmen oft nicht nur knallhart um quantitative Faktoren wie die Ersparnis von ein paar Minuten gehe.

Trotz allen Zögerns seitens der Mediziner ist Baltensperger zuversichtlich, dass die digitale Transformation in den kommenden Jahren weiter voranschreiten wird. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Patienten in diesem Bereich künftig vermehrt zu einer Anspruchsgruppe werden könnten, die dank Lösungen wie der Online-Terminvereinbarung oder Telemedizin verstärkt nach einer Involvierung verlangt.


Wie gehen Sie als MPA mit der Digitalisierung um? Welche Veränderungen beobachten Sie bei Ihrer täglichen Arbeit? Und welche allfälligen Hürden gilt es in Ihrer Praxis dabei zu überwinden? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

 

 

 

Tags: Praxis Tipps, Corona, Beruf MPA, Digitalisierung

Kommentare  

+1 #2 Monika Guldener 2021-02-16 21:33
Die digitale Praxis ist der richtige Weg in die Zukunft. Dennoch erlaube ich mir hier kritische Punkte zu erwähnen. Der Beruf MPA ist nicht mehr der gleiche wie vor 20 Jahren; weg vom Patienten - hin zum Bildschirm. Es gibt Tage, da nehmen wir MPAs den Patienten nur noch über den Bildschirm wahr, angeguckt kein einziges Mal. Beim Cloud-System gibt es bei Netzstörung keinen Zugriff auf Patientendaten mehr: welcher Patient hat einen Termin? Wie waren die Laborresultate? Wie lautet der Bericht vom Spezialisten, welches sind die Diagnosen? Weder können online Laboraufträge noch Rezepte oder Berichte erfasst werden...etc. Ich habe das mehrmals während 20Min-1/2 Std erlebt. Die Arbeit steht dann komplett still.
Wenns läuft, ist es schön digital zu arbeiten.
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+1 #1 Ruth Ehbets 2021-02-15 07:26
Ich arbeite in einer hoch digitalisierten Arztpraxis. Das ganze Team ist sich der Vorteile bewusst und wir denken immer wieder darüber nach, wie was wir noch besser machen können.
Die grosse Schwierigkeit liegt meistens in den Schnittstellen zwischen verschiedenen Programmen: Datenübernahme von elektronischen Messwerten in die elektronische KG , verschiedene Sicherheitseinstellungen verlangsamen die Prozesse am Computer, ... die verschiedenen Anbieter arbeiten nicht alle gleich gut miteinander.
Wenn dann mal etwas nicht funktioniert, dann wird es schwierig. Wer ist zuständig? Wo genau liegt der Fehler? Wie schnell erreiche ich einen Techniker?
Und ich merke, dass das Zusammenspiel von digitalen Geräten und Programmen schwierig ist, wenn es um eine Übergabe an eine neue MPA geht. Da haben wir noch viel zu tun: Wording, Hintergrundwissen und -prozesse beschreiben, ... Hier liegt grosses Potential: MPA zu digitalem medizinischem Fachpersonal zu entwickeln.
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