MPA Blog

MPA-Leistungen im TARMED zu wenig abgebildet

Die digitale Praxis: Realität oder Zukunftsvision?

Die Ansprüche an MPAs sind hoch. Doch spiegeln sich die entsprechenden Verantwortlichkeiten auch im Lohn wider? Das sagen Ärzte dazu.

Wenn Schweizer Ärzte über die Saläre ihrer MPAs entscheiden, orientieren sie sich in der Regel an den Lohnempfehlungen der kantonalen Ärzteverbände. Genau hier liegt aus Sicht vieler MPAs das Problem: Die offiziellen Richtwerte sind ihres Erachtens zu tief angesetzt (vgl. MPA-Blog-Beitrag vom Februar 2021).

Peter Wespi ist Arzt in einer Dielsdorfer Gruppenpraxis und Präsident der Ärztegesellschaft des Zürcher Unterlandes. Er ist mit von der Partie, wenn die Delegiertenversammlung der kantonalen Zürcher Ärztegesellschaft die genannten Lohnempfehlungen im Gremium überarbeitet. Wespi sagt: «Da spielt natürlich die Politik auch eine gewisse Rolle. Bei uns Zürchern sind die Empfehlungen am höchsten. Vertreter anderer Kantone erheben bei entsprechenden Diskussionen dann jeweils den Mahnfinger und sagen, wir sollten nicht noch höher hinaus gehen.»

Grundsätzlich ist Wespi der Meinung, dass die Löhne der MPAs in der Schweiz tatsächlich relativ tief sind. «Wenn man die Verantwortung anschaut, die der Beruf mit sich bringt, dann wird das aktuelle Lohnniveau diesen Ansprüchen nicht gerecht», sagt er. Einen zentralen Grund dafür sieht Wespi in der Tatsache, dass viele Leistungen, die MPAs erbrächten im aktuellen TARMED-Tarif viel zu wenig abgebildet seien. «Da kämpfen wir an der Seite unserer MPAs. Wir wären auch dafür, dass man diese Arbeiten besser darstellt. Wenn dies der Fall wäre und die Leistungen einen Geldwert erbrächten, würde das natürlich das Lohnniveau automatisch anheben.» Die aktuellen Tarife sind seit bald 20 Jahren in Kraft. Gross verändert habe sich in dieser Zeit nichts, sagt Wespi.

«Der aktuell geltende TARMED-Tarif ist veraltet»

Auch der FMH ist bewusst, dass die MPA-Ausbildung eine der anspruchsvollsten auf deren Ausbildungsstufe ist. Der Berufsverband der Schweizer Ärztinnen und Ärzte engagiert sich deshalb zusammen mit den MPA-Berufsverbänden für entsprechende Tarifstrukturen. FMH-Präsidentin Yvonne Gilli erklärt auf Anfrage: «Die Abgeltung der MPA-Arbeiten im Tarifgefüge der ärztlichen Leistungen spiegelt die Grenzen und Möglichkeiten der Lohnentwicklung. Der aktuell geltende TARMED-Tarif ist diesbezüglich veraltet und lässt sich nicht aktualisieren. Die zukunftsfähige Tarifstruktur TARDOC ist beim Bundesrat zur Genehmigung eingereicht.» Natürlich habe jede MPA, die mit ihrer Entschädigung nicht zufrieden sei, das Recht, die Forderung nach einem höheren Lohn zu stellen und mit ihrem Arbeitgeber zu verhandeln, sagt Gilli. «Wichtige Faktoren sind dabei die erworbenen Fach- und Handlungskompetenzen und die Berücksichtigung marktüblicher Löhne».

«Nicht nur der Lohn entscheidet über die Arbeitszufriedenheit»

Auch Hausarzt Wespi ist offen für entsprechende Forderungen. Er führt jährlich Qualifikationsgespräche mit seinen MPAs durch, im Rahmen derer analysiert wird, wie sich die Kompetenzen der Mitarbeitenden entwickelt haben. Ob es etwa Fähigkeiten gebe, welche die MPAs neu erworben hätten. Danach würde er entscheiden, ob es eine Saläranpassung gebe, erklärt er. «Je nach Erfahrung und Kompetenzen der MPA kann der Lohn auch deutlich über der offiziellen Empfehlung liegen.» Wenn eine Mitarbeiterin den eigenen Verantwortungsbereich gut im Griff habe und die Praxis entsprechend weiterbringe, sei er gerne bereit, ihr mehr Lohn zu geben. Wichtig sei aber auch die Einreihung im Vergleich zu den anderen MPAs im Team. Wenn eine junge MPA viel höher eingestuft werde, als eine Mitarbeiterin, die schon viele Jahre in der Praxis arbeite, bestünde natürlich ein Ungleichgewicht. Der Lohn allein entscheide nicht darüber, ob eine MPA ihre Stelle behalte oder nicht. «Viel wichtiger ist die Arbeitszufriedenheit», sagt Wespi. Die Frage, wie zukunftsorientiert ein Arbeitsplatz sei. Welche Verantwortungen man erhalte. Wie die Dynamik innerhalb des Teams sei. Eine gute MPA könne man nicht kaufen, indem man einfach einen überdurchschnittlichen Lohn zahle. «Wenn eine MPA unzufrieden ist und nicht wertgeschätzt wird, dann ist der beste Lohn nichts wert.»

Über die Argumente und Meinungen seitens MPAs sowie des Schweizerischen Verbands Medizinischer Praxis-Fachpersonen (SVA) zum Thema Lohn berichtete der MPA-Blog in einem vergangenen Beitrag.


Was ist Ihre Meinung zum Thema MPA-Lohn? Finden Sie, dass Sie genug verdienen und stehen Sie bei Ihrem Arbeitgeber für Lohnerhöhungen ein? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Tags: Praxis Tipps, Corona, Beruf MPA, Digitalisierung

Kommentare  

0 #7 Carmen 2021-05-02 09:05
Auch ich finde, dass gewisse Leistungen der Medizinischen Praxisassistentin einen Tarif verdienen und somit auch abrechenbar sein sollten. So wäre eine Lohnerhöhung noch besser begründbar. Obwohl ich ganz klar der Meinung bin, dass der Beruf der MPA auch ohne diese Tarife für die Verantwortung und geleistete Arbeit besser entlöhnt werden sollte.
Im jetzigen Moment leisten wir MPA viele Arbeiten (telefonische Beratungen, Berichterklärungen, Resultatauskünfte usw..) die nicht mit einer Position abgerechnet werden können.
Auch betreffend der Ausbildung zur MPK geht dies gleich so weiter - (noch!) keine Positionen zum Abrechenen, kein Mindestlohn, keine generellen Empfehlungen.
...Wir sind auf einem Weg, auf dem es noch viel zu erreichen gibt.
Die Ansicht ändert sich Schritt für Schritt, gut ausgebildete MPA/MPK sind gefragt!
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0 #6 Susanne Leist Preisi 2021-04-29 07:47
Ich finde es absolut stossend und unbefriedigend, dass der MPA-Lohn seit Jahrzehnten auf dem Niveau des tiefsten Mindestlohns verharrt!
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+6 #5 carmen 2021-04-11 14:16
MPA's Löhne sind schon zu lange zu tief. Es kann nicht sein, dass eine frisch ausgebildete MAP weniger verdient als eine frisch ausgebildete im Aldi/Lidl etc. verdient. Hier zeigt es sich, dass etwas schon lange hinterher hinkt. Nach mehr Lohn zu fordern ist immer schwierig, leidet danach das Arbeitsverhältnis.
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+4 #4 Barbara Müller 2021-04-10 18:27
Ein toller Beitrag, ein Thema was aus meiner Sicht schon lange spruchreif ist! Schön wäre eine Lohnempfehlung für jeden Kanton. Zurzeit gibt es Kantone, welche nur eine Grundlohn Empfehlung direkt nach der Ausbildung haben, darauf berufen sich dann die Arbeitgeber. Ein Erlebnis meinerseits war bei einem Vorstellungsgespräch in einem Spital als MPA in einer integrierten Praxis, Lohnempfehlung unter der Empfehlung des FMH. Begründung; der Beruf der MPA sei im Spital nicht vorgesehen, deshalb würde die MPA bezüglich Lohn, entsprechend der 3 jährigen Ausbildung der Pflegeassistentin bezahlt.
Ebenso fände ich das Thema Lohnabrechnung monatlich, Lohnabzüge PK/AHV etc in der Praxis sehr wichtig. An meiner jetzigen (gekündigten) Stelle, schlage ich mich mit solchen Problemen herum und werde sehr böse angegangen wenn ich mich erkundige oder etwas hinterfrage. Mit korrekten Lohnabrechnungen wäre alles viel einfacher nachzuvollziehen.
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+4 #3 Doris Spahni 2021-04-10 11:20
Der Lohn ist für die grossen Anforderungen zu tief.
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+4 #2 sara inniger 2021-04-10 05:14
guten tag
ich finde auch das wie MPAs zu wenig Lohn für unsere Leistungen/Arbeitsverantwortung erhalten, ich komme aus dem Kanton Bern.
Der Lohn darf bei uns kaum angesprochen werden und jedes Mal heisst es, dieses Jahr nicht!
danke setzen sie sich für uns ein!!
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+5 #1 Carasco 2021-04-09 14:16
Ich arbeite im Kanton Bern. Mein Lohn ist definitiv zu tief. Wir bekamen keine Lohnerhöhung letztes Jahr wegen Corona. Die Lohnrunde wird auf den Sommer 2021 verschoben?!
Wir haben ein Gespräch mit dem Arbeitgeber gesucht, jedoch ohne Erfolg.
Unser MPA Beruf sollte wirklich mehr geschätzt werden.
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